Das Erzgebirge (tschechisch: Krušné hory) ist ein Mittelgebirge und bildet die natürliche Grenze zwischen Sachsen und Böhmen. Knapp nördlich der Kammlinie verläuft die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Tschechien. Die höchsten Erhebungen sind der Keilberg (tschech. Klínovec) (1.244 m ü. NN) und der Fichtelberg (1.215 m ü. NN).
Das Erzgebirge zählt erdgeschichtlich zum Variskischen Gebirge. Es entstand in einem langwierigen Prozess:
Bei der Faltung des variskischen Gebirges fand in der Tiefe Gesteinsmetamorphose statt, es bildeten sich kristalline Schiefer und Gneis. Daneben findet man in älteren Magmablasen große Granitvorkommen. Bis zum Ende des Paläozoikums wurde das Gebirge auf eine flachwellige Hügellandschaft abgetragen (Perm’scher Rumpf), womit die harten Gesteine freigelegt wurden.
Im Tertiär wurde der Gebirgsrumpf durch plattentektonische Prozesse stark beansprucht (alpidische Gebirgsbildung, Trennung der nordamerikanischen von der eurasischen Platte). Da das Gestein nicht mehr gefaltet werden kann, reagiert es mit Bruchtektonik, wobei die Bruchscholle nach Nordwesten gekippt wird. Sehr gut zu beobachten ist dies auf dem, östlich von Zinnwald-Georgenfeld gelegenen, Mückentürmchen (Komáří vížka) in einer Höhe von 807 m ü. NN. Es befindet sich auf tschechischer Seite, genau auf der Kante der Bruchscholle. Auf deutscher Seite steigt das Gebirge langsam an, auf tschechischer Seite fällt es steil ab.
Somit ist es ein Pultschollengebirge, welches heute durch eine ganze Reihe von Flusstälern, deren Flüsse nach Süden zur Eger und nach Norden zur Mulde oder direkt zur Elbe entwässern, durchschnitten wird. Dieser Prozess wird auch als Zertalung bezeichnet.
Das Erzgebirge ist geologisch als eines der weltweit am besten erforschten Gebirge zu sehen.
Wichtige vorkommende Gesteine sind im Erzgebirge Glimmerschiefer, Phyllite und Granite mit Kontakthöfen im Westen, Basalt als Reste im Pleßberg (Plešivec), Scheibenberg, Bärenstein, Pöhlberg, Großen Spitzberg (Velký Špičák), Haßberg (Jelení hora) und Geisingberg sowie Gneise und Quarzporphyr (Kahleberg) im Osten. Die Böden bestehen aus schnell auslaugendem Grus. Im westlichen und mittleren Teil des Gebirges ist dessen Ursprung verwitterter Granit. Phyllite ergeben einen lehmigen, schnell verwitternde Gneise im Osten des Gebirges einen leichten Boden. Die Bodennutzung besteht auf den Untergründen aus Granit und Quarzporphyr aus Wald, auf den Gneisböden ist der Anbau von Flachs in früheren Jahrhunderten, später Roggen, Hafer und Kartoffeln bis in hohe Lagen möglich gewesen und betrieben worden. Heute besteht die überwiegende Nutzung in Weidegrünland. Nicht selten sind jedoch auch naturnahe Bergwiesen zu finden.
Dem Erzgebirge nördlich vorgelagert, westlich von Chemnitz und um Zwickau liegt das, jedoch nur in geologischer Hinsicht bekannte, Erzgebirgische Becken. Hier befinden sich Steinkohlelagerstätten, in denen der Bergbau bereits aufgelassen worden ist. Ein ähnliches, jedoch kleineres Becken mit aufgelassenen Steinkohlelagerstätten, das Döhlener Becken, befindet sich südwestlich von Dresden am Nordrand des Osterzgebirges. Es bildet den Übergang zur Elbtalzone und ist gleichfalls vorwiegend in geologischer Hinsicht bekannt.